Verfasst von: geartard | Januar 25, 2012

Breaking News: DEVGRU Member befreien US- Bürgerin und dänischen Staatsbürger in Somalia

In der Nacht vom 24.01.2012 zum 25.01.2012 haben Soldaten des Kommandos, welches zuletzt unter dem Namen Naval Special Warfare Development Group (kurz DEVGRU genannt) bekannt waren auf dem Gebiet des afrikanischen Staates Somalia zwei Geiseln US- amerikanischer und dänischer Herkunft befreit. Bisher ist bekannt, dass bei diesem „raid“ neun somalische Geiselnehmer, welche sich der Piraterie aber auch kriminellen Handlungen an Land verschrieben hatten, getötet wurden.


Bildquelle

Bei den Geiseln handelte es sich um zwei freiwillige Helfer, welche sich für ein sicheres Leben in Afrika engagiert hatten und für eine zivile Minenräumorganisation tätig war (deren Engagement an dieser Stelle besonders betont sein), bevor sie im Oktober 2011 von somalischen Entführern als Geisel genommen wurden. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Opfer in einem dänischen Wiederaufbaucamp. Die Hilfskräfte leisten einen unbewaffneten Beitrag zur technischen Lösung von Konflikten vor Ort durch die Beseitigung von Landminen und UXOs (Unexploded Ordonance oder kurz Blindgänger; das bezeichnet in der NATO- Terminologie nicht zur Explosion gekommene aber ausgetragene Sprengmittel, welche eine besondere Bedrohung darstellen). Hierbei handelte es sich um die Amerikanerin Jessica Buchanon (30 Jahre alt) und den Dänen Poul Hagen Thisted (60 Jahre alt).


Buchanon, J.


Thisted, P.H.

Hier eine Übersicht zur groben Einordnung der geographischen Lage des Einsatzgebietes.

Bisher sind verständlicherweise nur wenige Informationen wirklich bekannt. Der Verlauf der Mission ist bisher im folgenden Umfang bekannt:

U.S. Navy SEALs parachuted into Somalia under cover of darkness early Wednesday and crept up to an outdoor camp where an American woman and Danish man were being held hostage. Soon, nine kidnappers were dead and both hostages were freed.(…)
The raiders came in quickly, catching the guards as they were sleeping after having chewed the narcotic leaf qat for much of the evening, a pirate who gave his name as Bile Hussein told The Associated Press by phone. Hussein said he was not present at the site but had spoken with other pirates who were, and that they told him nine pirates had been killed in the raid and three were „taken away.“
The hostage rescue was carried out by the same SEAL unit behind the operation in Pakistan last May that killed bin Laden, two U.S. officials said on condition of anonymity to discuss the operation. It was not clear if any members participated in both operations. The unit is the Naval Special Warfare Development Group, also known as SEAL Team 6 [/DEVGRU].(…)
One official said that the team parachuted into the area before moving on foot to the target. The raid happened near the Somali town of Adado.(…)

Die Operation fand auf somalischen Grund nahe der Ortschaft Adado statt. Man geht bisher davon aus, dass die für die Geiselrettungsmission aufgestellte Task Force mit einer Stärke von ca. 50 Soldaten aus der US Naval Expeditionary Base Camp Lemonnier in Djibouti gelaunched wurde und die Geisel nach Abschluss der Mission dorthin gebracht wurden. In einem Nachrichtenbeitrag von Fox News wird angegeben, dass es sich bei den 50 Soldaten um Angehörige der Naval Special Warfare Development Group gehandelt habe. Ich gehe davon aus und merke ausdrücklich an, dass es sich hierbei um meine Vorstellung eines solchen Einsatzes handelt, dass ein Drittel der eingesetzten Kräfte zur Unterstützung und zur Logistik (Extraction via Helikopter, Sicherung im Einsatzgebiet und möglicherweise auch bis zu zwei Jagdbomber in der Luft auf Rufbereitschaft zur Unterstützung im Extremfall) vorgesehen waren.

Bevor die Meldung publik gemacht wurde, spielte sich heute Morgen eine Szene zwischen US- Verteidigungsminister Leon Panetta und US- Präsident Barak Obama. Obama gratulierte Panetta mit den Worten „Good job tonight!“, was mit großer Wahrscheinlichkeit eine Belobigung stellvertretend für die Soldaten der eingesetzten Task Force darstellte. Leon Panetta ist vorher Direktor des US- amerikanischen Auslandsnachrichtendienstes Central Intelligence Agency (CIA) gewesen. Den Posten des CIA- Direktors hat nun der ebenfalls nicht unbekannte ehemalige General David Petraus inne, welcher führende Aufgaben im Einsatz der US- Armee im Irak und Afghanistan hatte.
Das nachfolgende Bild zeigt US- Präsident Obama, wie er kurz darauf mit dem Vater von Buchanon telefoniert, um ihm die gute Nachricht der sicheren Rettung seiner Tochter persönlich mitzuteilen.

Aus sicherheitspolitischer Sicht ist der Staat Somalia de facto kein Staat. In diesem Falle spricht man von einem Failed State. Es mangelt hier an der Durchsetzbarkeit von Staatlichkeit wie beispielsweise durch eine funktionierende Exekutive (Polizei, Militär und ähnliches) und auch eine fehlende oder auch schlecht ausgeprägte Judikative (keine Verurteilung durch Gerichte, mangelnde Vollstreckung von Urteilen). Diese politischen Umstände, welche nur beispielhaft aus dem großen Theater der Problemfelder genannt seien, begünstigen das Aufkeimen von Kriminalität und Inhumanität in einem nahezu rechtsfreien Raum. Bei Somalia kommt hinzu, dass es in diesem Gebiet noch nie einen modernen und in der globalisierten Welt handlungsfähigen Staat gegeben hat. Einige Leser mögen auf diese problematischen Umstände durch den Film „Black Hawk Down“ oder lebensältere Leser sogar durch die damaligen Berichte über die geschändeten Leichen der US- Piloten, welche aus den abgestürzten Hubschraubern vom Typ UH-60 „Blackhawk“ geborgen wurden und den Einsatz der US- Armee in Somalia allgemein sensibilisiert sein. Das Problem der Piraterie, für welche Somalia in den letzten Jahren traurige Prominenz errungen hat, ist nach wie vor eklatant. Die maritime Bedrohung lässt sich auch an dem verstärken Auftauchen von bewaffnetem Sicherheitspersonal an Passagier- und Handelsschiffen messen.

Die bisherigen Erkenntnisse stützen sich auf einen Bericht von Associated Press. Ich gehe davon aus, dass sich in den kommenden Wochen möglicherweise noch mehr Details zum Einsatz lüften werden.
Die Fotos entstammen chron.com.

Über die Neubenennung der Naval Special Warfare Development Group (NSW-DG) in einen neuen, der Öffentlichkeit nicht bekanntgegeben und geheimgehaltenen Namen, haben wir bereits berichtet. Ein Link zu unserem „SECGRU Artikel“.

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