Verfasst von: geartard | Dezember 29, 2012

ANVIS-9 / AN/AVS-9 & WilcoX ANVIS Mount – das binokulare Nachtsichtgerät

Wir haben hier im Blog bereits das AN/PVS-7 und das AN/PVS-14 sowie das HighEnd NVG AN/PVS-21 LPNVG als Review gesehen. Daher sparen wir uns hier die langen einleitenden Worte zu dem Themenbereich. Heute zum Jahresende haben wir einen wahrlichen Höhepunkt für euch vorbereitet.
Wir präsentieren euch heute:

Das ANVIS-9 Nachtsichtbinokular

Wofür steht eigentlich der Name ANVIS?
Hierbei handelt es sich um eine Abkürzung für Aviation Night Vision Imaging System. Es verdeutlicht bereits, dass dieses Nachtsichtgerät für die Luftfahrt entwickelt wurde.
Weiterhin gibt es die US- Army Bezeichnung AN/AVS-9 und die Bezeichnung aus der Industrie F4949. Erstere Bezeichnung steht für Army Navy/ Asset Visibility System Letztere Bezeichnung findet sich auch im AN/PVS-23 wieder. Dieses ist eine für den Bodeneinsatz optimierte Version des ANVIS-9. Das AN/PVS-23 wird auch als F5050 bezeichnet. Der Einfachheit halber bezeichnen wir unser vorliegendes Nachtsichtbinokular als ANVIS-9.
Ebenfalls erwähnenswert: Man kann Nachtsichtgeräte anhand der vorhandenen „Tubes“ (Röhren) einstufen. Im Falle des ANVIS (ANVIS-6 und ANVIS-9) handelt es sich um Night Vision Goggles (NVGs). „Goggles“ steht hier im Plural, da es über insgesamt zwei Röhren verfügt. Im Gegensatz dazu ist beispielsweise das AN/PVS-14 ein Night Vision Monocular (NUM), da es lediglich mit einer einzelnen Röhre operiert.
Nach diesem kleinen Exkurs gehen wir nun ans Eingemachte.

Überblick des ANVIS-9 NVGs:
Eine Draufsicht und die Seitenansichten.


Die beiden Röhren von vorne, von hinten und von der Seite.
Vorne kann durch Drehen der Okulare die Tiefenschärfe auf den gewünschten Sichtbereich fokussiert werden.


Einstellmöglichkeiten und Funktionen:

Kippwinkel und horizontale Röhrenposition:
Auf der linken Seite befindet sich ein Kipphebel. Dieser ist zur Einstellung des Stellwinkels verantwortlich. Die beiden Bilder zeigen die beiden Extreme in beide Richtungen.
Ebenfalls gut sichtbar in diesem Bild ist die durchgehende Bohrung in der Brücke. An diesen Verbindungspunkten können Schlüsselringe oder Haken eines Retention Lanyards montiert werden, um um etwaiges Wackeln des Nachtsichtgerätes zu unterbinden oder das ANVIS gegen unbeabsichten Verlust (z.B. versehentliches Fallenlassen) zu sichern.

Weiterhin zu sehen ist eine Stellschraube. Hiervon befindet sich jeweils eine an jeder Seite (nur links ist diese durch den eben beschriebenen Kipphebel erweitert). Diese Stellschraube reguliert die horizontale Position der jeweiligen Röhre vor dem Auge, sodass der Operator die entsprechende Röhre mittig vor dem Auge positionieren kann. Beide Röhren müssen jeweils einzelnd verstellt werden.

Angebracht auf der Brücke, auf welcher beide Röhren angebracht sind, befinden sich kleine Markierungen zur erleichterten Einstellung. Die optimale Einstellung kann ermittelt werden und dann vermerkt werden, um im Falle des nicht gewollten Verstellens die Abstände der Röhren auch ohne umständliche Verfahren sofort wiederherzustellen.

Dioptrinanpassung:
Sollte der Operator Brillenträger sein, so kann er für jedes Auge individuell die Dioptrinzahl einstellen. Das Tragen einer Brille unter dem Nachtsichtgerät erübrigt sich somit. Diese Option findet sich nicht nur beim hier vorgestellten ANVIS wieder, sondern zum Beispiel auch beim AN/PVS-14.

Horizontaler Abstand zu den Augen:
Das Stellrädchen unter dem Wilcox Adapter Shoe ist für die Einstellung des Abstandes der Brücke mit den beiden Röhren zu den Augen gedacht. Seitlich befinden sich wieder Markierungen mit Zahlen für den Abstand für die erleichterte Einstellung.

Stromversorgung und Helmet Mount:
Bereits bei den ersten Bildern ist aufgefallen, dass es beim ANVIS-9 keinen Schalter zum Ein- und Ausschalten gibt. Das hat durchaus seine Richtigkeit. Das ANVIS-9 wurde eigentlich für die Luftfahrt entwickelt und zwar für insbesondere für den Gebrauch in Drehfügelern, also Helikoptern. Hier werden in der Regel von den Besatzungen Helme getragen. Daher ist das ANVIS-9 also speziell für die Operation mit Helmen konzipiert worden. Zur vereinfachten Bedienung wird das ANVIS zum Aktivieren der Röhren einfach heruntergeklappt. Die Montage zwischen ANVIS- Nachtsichtgerät und Helm schließt im heruntergeklappten Zustand den Stromkreis zwischen ANVIS-9 und dem Battery Pack. Für den Testbetrieb kann auch ein sogenannter Clip On Power Supply (COPS) genutzt werden.

Wilcox hat ein ähnliches System für den Bodeneinsatz entwickelt. Die hier vorliegende Wilcox ANVIS Mount ergänzt die Wilcox L2 G05 oder vergleichbare Three Hole Mounting Systems (wie zum Beispiel die Norotos Three Hole Shroud).

Hier eine kleine Übersicht der Wilcox ANVIS Mount mit dem ANVIS-9 und einem Ops- Core FAST Ballistic Helmet.

Die Wilcox Mount besteht insgesamt aus drei einzelnen Komponenten.

1. ANVIS L2 G05 Adapter Shoe
Der Adapter Shoe wird auf das Drehgelenk des ANVIS‘ geschraubt, welches sonst direkt in die Helmmontage einrastet. Die beiden metallischen Punkte sind die Aufnahme für das Kabel vom Power Track.


2. Power Track mit Stellrädchen zur Befestigung am Helm
Der Power Track wird vorne in die L2 G05 NVG Helmet Mount eingehakt und über das Stellrädchen fest angezogen. Hinten am Helm wird es über eine Kralle mit Gumminoppen unter die Helmkante geklemmt. Im gezeigten Beispiel war eine Modifikation notwendig, da der Power Track ein klein wenig zu kurz für die große Helmglocke des FAST Ballistic Helmets ist.


3. Battery Pack
Das Battery Pack wird auf die Kralle des Power Tracks geklipst. In dem Pack befinden sich zwei CR-123 Batterien. Sie können nach Aufdrehen des Schraubverschlusses entnommen werden. Dieser ist per Hand zu öffnen oder auch mittels eines großen Schlitzschraubendrehers. Auf der Rückseite des Battery Packs befindet sich eine weitere Aufnahme. Scheinbar kann das Battery Pack um beliebige weitere Packs erweitert werden. Wir empfehlen die beiden Kontakte mit Mullbinde und Panzertape abzukleben um eine Oxidation bei insbesondere bei Feuchtigkeit zu vermeiden.


Das ANVIS in der L2 G05 NVG Mount:

Stromversorgung:
Wilcox hat bei der alten ANVIS Mount den klassischen Weg der Stromversorgung gewählt. Die Stromzufuhr erfolgt über ein externes Battery Pack. Vom Power Track aus läuft ein Kabel nach vorn zum ANVIS. Am Ende des Kabels ist ein magnetischer Clip angebracht. Dieser fasst genau in den Adapter Shoe ein und schließt den Stromkreis zwischen ANVIS und Battery Pack.
Wird das ANVIS hochgeklappt, so springt der Clip wieder aus dem Adapter Shoe heraus und die Energieversorgung wird unterbrochen. Somit gestaltet sich die Inbetriebnahme der Nachtsichtfunktion als überaus simpel und einfach.
Der Vorteil dieses Systems ist die Einfachheit: Wird das ANVIS nach oben geklappt, weil gegenwärtig kein NVG benötigt wird und geht gleichzeitig aus. Das schont die Kapazität der Batteriezellen und natürlich der NVG- Tubes. Ein nach oben geklapptes ANVIS muss im Umkehrschluss auch nicht in Betrieb sein.Von daher handelt es sich hier um eine durchaus sinnvolle Konstruktion.

Das denken wir über das ANVIS-9:
Das ANVIS-9 ist insgesamt ein überaus lohnenswertes Nachtsichtbinokular. Es hat eine kinderleichte Bedienung und einfache Einstellmöglichkeiten. Auch ist das Eigengewicht nicht so hoch, dass es der Dual Tubes als störend empfunden werden könnte. Es gibt allerdings auch Nachteile beim ANVIS. Es verfügt über keinen eigenen IR- Aufheller. Das optimierte Modell AN/PVS-23 bzw. F5050 hat diesen Nachteil bereits durch einen internen IR- Aufheller ausgeglichen. Die Version F4949 ist für den Einsatz an Bord von Luftfahrzeugen entwickelt worden und hat dieses Feature daher nicht. Durch eine kleine Helmlampe mit IR- Illumination kann dieser Nachteil kostengünstig ausgeglichen werden.
Ebenso kann es vorkommen, dass das ANVIS (sowohl das ANVIS-6 wie auch das ANVIS-9) in manchen Helmmontagen recht wackelig sitzt. Im Falle der hier vorliegenden Wilcox ANVIS Mount ist dies allerdings nicht der Fall. In der Wilcox Mount sitzt das ANVIS fest und sicher. Auch hier gibt es allerdings Nachteile. Die Wilcox ANVIS für die Wilcox L2 G05 Mount und ähnliche Systeme besteht aus insgesamt drei einzelnen Komponenten und das ist recht viel, angesichts der Tatsache, dass Helmet Mounts sonst lediglich aus dem Helmadapter und einem Montagearm bestehen. Diese Lösung von Wilcox ist darüberhinaus recht lastig, was die Bauhöhe anbelangt. Das neue System von Wilcox ist wesentlich flacher (low profile). Ihr findet dies in einem vergleichenden Review mit unserer alten Mount im Blog Danneskjold Holdings.

Insgesamt können wir das ANVIS wärmstens weiterempfehlen, da es eine einfache aber auch effektive Nachtsichtlösung darstellt, sieht man von dem kleinen Nachteil des fehlendes IR- Strahlers ab.

ANVIS-9 in action:

Dieser Ranger (75th Ranger Regiment) trägt ein ANVIS-9 auf seinem TC-2000 Gefechtshelm, klar erkennbar an der externen Stromversorgung. Weiterhin trägt er einen Crye Precision AC Suit (Combat Shirt & Combat Pants) in Multicam. Auf dem Helm finden wir, befestigt auf dem Multicambezug, ein ACR MS-2000M Distress Marker.
Die 2nd Line besteht aus einem Eagle Industries MBAV (Modular Body Armor Vest) mit diversen Multicam und MJK Pouches, wahrscheinlich ebenfalls von Eagle.

Hier sehen wir einen Angehörigen der Combat Application Group (CAG). Neben dem ANVIS-9 mit einem montierten NVG- Kompass, trägt der Operator einen Crye Precision Field Suit in AOR1 und einen Paraclete SOHPC (Special Operations Hard Plate Carrier) in Smoke Green mit Groin Cover. Der Helm sieht aus wie ein TC-200X Gefechtshelm (man kann leider nicht genau erkennen, ob es ein TC-2000 oder 2002 ist), darunter das ältere Peltor ComTac I, erkennbar an der Schraube zum Batteriefach, und ebenfalls auch hier ein MS-2000M Distress Marker sowie ein SureFire HL-1 Helmet Light.

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Responses

  1. Ein ausgezeichnet- detailreiches Review! Da hat sich das Fachsimpeln gelohnt, wäre interessant zu wissen, ob sich die Röhren evtl. auch „upgraden“ lassen, sprich eine andere OMNI-Klasse aufrüstbar wäre. 🙂

    • Danke für das Lob.

      Man kann die Tubes immer upgraden, wenn man eben die korrekte Passform findet. Das ist, sehr einfach ausgedrückt, wie mit Grafikkarten und dem passenden Steckplatz auf dem Motherboard.

      • Sehr gerne 😉

        Okay, dass hatte ich mir fast gedacht, die Passform der Tubes sind vermtl. genormt.

  2. Noch eine Frage zur Wilcox Mount: Wo soll bitte der Vorteil in dieser Mount liegen, wenn der Operater gezwungen ist, jedes mal wenn er das AN/VIS herunterklappt, dass er dieses Kabel einstecken muss? Stell ich mir recht umständlich vor, gerade wenn man Handschuhe an hat und kurz vor dem Zugriff, what ever steht.

    • Die Mount hat so gesehen zwei Vorteile, die ich noch nachträglich ergänzen werde.
      Erstens, und das betrifft das Kabel, geht das ANVIS sofort aus, wenn es hochgeklappt wird. Das spart schont die Tubes und auch Batteriekapazität, da es im hochgeklappten Zustand nicht in Betrieb sein muss.
      Zweitens sitzt das ANVIS wackelfrei in der Mount. Der Vorteil sollte auf der Hand liegen.


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